Offener Brief an die Stiftung „Topographie des Terrors”,
Niederkirchnerstrasse 8,10963 Berlin
info@topographie.de
Sehr geehrte Damen und Herren,
In diesen Tagen, am 16. Juni 2025, anlässlich der feierlichen Eröffnung des Gedenkortes (so genannter „Stein der der deutschen Erinnerung) für die polnischen Opfer deutscher Besatzung Polens 1939-1945 in unmittelbarer Nähe des Bundestags und des Bundeskanzleramts in Berlin, habe ich auch die Dauerausstellung Topographie des Terrors, auf dem Gebiet der ehemaligen Zentrale der SS und RSHA (Reichsicherheitshauptamt) besucht an der Wilhelmstrasse 102 (s. eigenes Foto)
Mit großem Erstaunen und Enttäuschung musste ich feststellen, dass die deutschen Völkermordverbrechen an Polen in dieser Ausstellung vollständig ausgeblendet werden, obwohl Gestapo, SS und RSHA vom ersten Tag der Besatzung Polens da waren und die polnischen Patrioten in ihrem Lande als „Feinde des Reiches“ bekämpften.
An einem Ort, der das Zentrum der Planungen des NS-Terrors war, fehlt jede grundlegende Information über die Massenverbrechen an Polen – einschließlich der Polenaktion von Oktober 1938. Dies wirft ernste Fragen über die historische Redlichkeit der deutschen Darstellung der Geschichte und Vollständigkeit der gezeigten Aufstellung auf. Was wird hier dem Besucher gezeigt: Die Geschichte des Terrors zwischen 1933 und 1945 in Deutsch beherrschtem Europa, oder eine den deutschen Machern der Ausstellung genehme Version der Geschichte?
Mit großer Bestürzung stelle ich fest, dass in der Ausstellung die systematischen Verbrechen an der polnischen Bevölkerung gar nicht thematisiert werden. Es fehlt an Darstellung der Intelligenzaktion, der AB-Aktion, von Massenerschießungen, Deportationen, sklavischer Zwangsarbeit von Millionen Polen, Schließung und Enteignung polnischer Organisationen in Deutschland, der brutalen Germanisierung sowie staatlich organisiertem Kinderklau bis zu der Planung des Konzentrationslagers für die polnischen Patrioten : KL Auschwitz. Sogar die sogenannte Polenaktion vom Oktober 1938 – die erste Massendeportation von Juden aus dem Deutschen Reich „nach Osten“ vorbereitet von der Gestapo – bleibt unerwähnt, obwohl sie direkt zu der Reichspogromnacht geführt hat und Vorbote des Holocaust wo „Deportation nach Osten“ Reise in den Tod bedeutete. Keine von der 77 Bildtafeln die Entwicklung des Terrors in der Zentrale von SS und Gestapo von 1933 bis 1945 dem Publikum zeigen, dokumentiert, die hier geplanten Aktionen die zu einem Völkermord an Polen führen sollten.
Gerade weil diese Ausstellung an einem Ort steht, an dem Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und andere Funktionäre den nationalsozialistischen Terrorstaat organisierten, entsteht der äußerst beunruhigende Eindruck, dass das von deutschem Boden ausgehende Völkermordprogramm gegen das polnische Volk durch heute lebende Deutsche bewusst verschwiegen wird.
Seit der Eröffnung im Jahr 1987 wurde die Ausstellung von über 25 Millionen Menschen vor allem aus aller Welt besucht. Fast vier Jahrzehnte lang wurde den Besucherinnen und Besuchern ein unvollständiges, verkürztes Bild der Geschichte vermittelt, das das Schicksal der Polen unter Terrorherrschaft der Deutschen weitgehend ausblendet. Es ist höchste Zeit, an diesem symbolischen Ort des nationalsozialistischen Terrors – auf den Ruinen seiner Kommandozentrale – öffentlich anzuerkennen, dass die Polen eines der Hauptopfer des deutschen Völkermords waren und dieses aus heutiger Schicht anachronistisches Ausblenden der Rolle der Wilhelmstrasse 102 bei Internationalisierung des Völkermordes zu beenden.
Die Bundesrepublik Deutschland, demokratischer Rechtsstaat , als Rechtsnachfolgerin des Dritten Reiches, trägt eine besondere Verantwortung, sich klar und unmissverständlich von den Verbrechen zu distanzieren, die frühere deutsche Generationen dem polnischen Volk zugefügt haben, auch von verschweigen der Wahrheit, dass Deutschland auf ihrem Weg zu Tausendjährigen Reich die polnische Nation und Staat beseitigen wollte . Eine solche öffentliche Anerkennung des versuchten Völkermordes an Polen – genau an dem Ort, an dem die NS-Verbrechen auch an Polen geplant wurden – hätte eine besonders bedeutende und symbolische Wirkung auf dem Weg zu den besseren Beziehungen zu den polnischen Menschen und Staat. Installierung des Steines der deutschen Erinnerung an das was Polen angetan wurde, ist zwar ein Schritt in die gute Richtung – aber es ist zu wenig.
Polen war eines der Hauptziele der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Millionen polnischer Bürger – jüdischer wie nichtjüdischer Herkunft – wurden Opfer des Terrors, der von genau diesem Ort aus organisiert wurde. Ihr Schicksal hat Platz in jeder ernsthaften geschichtlichen Narration über Zeiten des Terrors im Dritten Reich.
Ich richte daher den Appell an die Stiftung „Topographie des Terrors“, die Ausstellung um eine angemessene Darstellung der Rolle der Zentrale von SS und Gestapo bei der Planung und Umsetzung des Verbrechens der Deportation von 17.000 Polen jüdischen Glaubens im Jahr 1938 als auch der Planung und Durchführung des Völkermordes an zumindest 2,5 Millionen Polen ab September 1939 bis Ende des Krieges im besetzten Polen – zu erweitern damit die zukünftigen Besucher der Ausstellung die Wahrheit darüber was die Deutschen den Polen vor nicht allzu langen Zeit angetan haben, erfahren können.
Seit Rafal Lemkin wissen wir, dass es verschiedene Formen des Völkermordes gibt. Eine von ihnen ist die Vernichtung der nationalen Eliten. Dies hat Deutschland sofort nach Einmarsch in Polen begann umzusetzen. Die Ausstellung die „Topographie des Terrors sollte sich auf dem Aufzeigen der Verantwortung der Berliner Terrorzentrale für diese Handlungen konzentrieren.
Meiner Meinung nach zumindest 10 Bildtafeln von 77 auf der Daueraufstellung die Topographie des Terrors in Berlin sollten aufzeigen wie der Terror gegen polnische Nation und Staat der in Genozid münden sollte sich entwickelt hat. Von der Polenaktion 1938 durch Aktionen gegen polnische Eliten 1939-1940, Etablierung des Führersystems in polnischer Verwaltung (100 Starosten) und Anwendung der Nürnberger Antijuden Gesetze auf dem Gebiet von Polen ,Installierung der KL Auschwitz bis zur Massenaussiedlungen in Raum Zamosc, Massenmord an der Zivilbevölkerung Warschaus im Stadtteil Wola im August 1944 und planmäßigen Erdbodengleichmachung der Stadt Warschau nach dem Aufstand 1944.
Das Ziel war es doch: Nachdem Gebiet von vormaligen Polen polen-und judenfrei gemacht wurde dürften nur bis 10 Millionen polnisch sprachigen eindeutschungsfähigen Arbeiter als Manövriermasse der Deutschen Herrenrasse dem deutschen Tausendjährigen Reich in dieser neudeutschen Provinz mit ihrer Arbeit dienen.
Ich appelliere auch an die zentralen Institutionen des deutschen Staates diese Initiative zu unterstützen und auch an alle Deutsche die, die Aussöhnung mit Polen wünschen. Anscheinend ist die deutsche Politik mit der Installierung des deutschen Erinnerungsortes an Verbrechen an Polen in Berlin weiter im Verstehen was Polen in Jahren 1939-1945 angetan wurde, als die Macher der Dauerausstellung Topographie des Terrors, die Ihr Konzept vor 20 Jahren entwickelt haben und anachronistisch geblieben sind.
Ich richte mich auch an die zentralen Institutionen des polnischen Staates, an Herren Staatspräsidenten, Premierminister, den Vorstand von IPN und den Direktor des Museums des zweiten Weltkrieges diese Initiative zu unterstützen und auch an alle Polen die richtige Aussöhnung mit den deutschen Nachbarn wünschen. Bei diesem Thema begräbt doch das innenpolitische Kriegsbeil. Bitten sie doch ihre Hilfe den deutschen Historikern an, bei Gestaltung des Teils der Ausstellung welches die Rolle der Zentrale des deutschen Terrorapparates bei Aufbau des Führerstaates in Polen aufzeigt.
Steine sind nie eine Lösung! Auch deutscher Stein der Erinnerung an polnische Opfer der Jahre 1939-1945.
Polen hat genug lange in dieser Sache geschwiegen. Die Dauerausstellung „die Topographie des Terrors“ funktioniert in dieser Form seit 2010 und niemand von polnischer Seite hat auf das Verschweigen des deutschen Genozides an Polen reagiert. Weder von konservativen noch von liberal-linken Seite der Macht.
Wir sollten aber unsere deutsche Nachbarn im Begreifen dessen was in Polen vor über 80 Jahren passiert ist unterstützen und sie mit der Last dessen , dass ihre Vorfahren versucht haben, an ihren polnischen Nachbarn den Völkermord zu verüben nicht alleine lassen . Dazu verpflichtet uns auch unsere christliche Nächstenliebe. Vielleich dann verstehen die Deutschen besser, dass die Gespräche über Entschädigung mit den Polen notwendig sind angesichts der Unvorstellbarkeit dessen was geschah?
Die Ergänzung der Ausstellung die Topographie des Terrors über ein dem Schicksal der Polen im deutschen Terrorstaat gewidmetes Abschnitt ist ein notwendiger Schritt zu einer umfassenderen historischen Wahrheit und ein bedeutender Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung, Dialog und Zusammenarbeit.
Berlin, den 20 Juni 2025
Waldemar J. Ziemnicki, ein polnischer Dichter aus Berlin
Korrespondenzadresse:
Waldemar Ziemnicki
Postfach: 21 01 12
10501 Berlin