Findling in Berlin für Völkermord an Polen
Ein Paar Gedanken am Rande
Von Waldemar J. Ziemnicki
Auf einer Lichtung, in einem Wäldchen an der Grenze zwischen Bundestag und dem Kanzleramt im Tiergarten wurde ein Findling zum Erinnerungsstein. Der Stein soll Deutsche an Völkermord an Polen zwischen 1939 und 1945 erinnern. Zumindest 2,5 Millionen ethnische Polen haben damals in ihrem besetzten Land aus deutscher Hand ihr Leben verloren. Neben drei Millionen Polen jüdischen Glaubens. Nirgend wo in dem besetzten Europa waren die Deutschen so grausam wie in Polen. Nirgend wo und nirgend wann wurde einer so großen Opfergruppe die Wiedergutmachung so lange verweigert.
Immerhin nach 80 Jahren ab dem Kriegsende gedenken deutsche Politiker den polnischen Opfern im Berlin. „Dieser Stein ist ein deutsches Geständnis“ sagte ein deutscher Teilnehmer der Feierlichkeiten, der nicht genannt werden will. Die Polen kriegen keine Reparationen dafür aber ein Stein ist die deutsche Logik.
Von deutscher Seite hat den Stein Kulturstaatsminister Wolfram Weiner enthüllt. Von polnischer Seite Kulturminister Frau Hanna Wroblewska von dem gerade in Polen regierenden Team Tusk, welches sich durch deutsche unversöhnliche Haltung zu Reparationen entmutigen ließ und keine Wiedergutmachung mehr erwartet.
An anderem Ende der Lichtung stehen die seit den 60-er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, also bereits über halbes Jahrhundert, verlassenen und vergessenen Steinskulpturen gegen den Krieg. Ist dies auch die Zukunft dieses Mahnmals nach fünfzig Jahren?
Der neue Ort der deutschen Erinnerung steht irgendwie abseits obwohl scheinbar im Zentrum. An diesem Ort verkündete Hitler am 1 September 1939 in der damaligen Kroll-Oper, die es nicht mehr gibt, Überfall auf Polen.
Die Gedenkstätte wurde am 16 Juni offiziell eingeweiht. Kaum jemand hat dieses Ereignis in diesen bewegten Zeiten vermerkt.
Die Millionen Besucher wie zu dem Schand-Denkmal am Brandenburger Tor oder zu Topographie des Terrors Ausstellung werden hier mit Sicherheit nicht kommen. Ab und wieder vielleicht ein Herrchen, der mit dem Hund spazieren geht.
Der Hund wird versuchen dem Stein wie den anderen Skulpturen auf der Lichtung auf seine Weise Reverenz zu erweisen.
Ich weiß nicht ob ich weinen oder lachen soll über den Stand der deutsch-polnischen Nachbarschaft.
Ist dies Ganzes oder nur ich alleine aus der Zeit gefallen und nicht mehr zu retten?